21. März – 18. April 2021

Update Cologne #4
GUDRUN BARENBROCK in der MICHAEL-HORBACH-STIFTUNG Köln

16. / 17. / 18. April 2021, 20.00 Uhr bis 21.30 Uhr
Künstlerin-Gespräch und Videowalk
Anmeldung: call@bettinapelz.de

Seit 15 Jahren entwickelt Gudrun Barenbrock Videoinstallationen, jetzt sind – vom 21. März bis zum 18. April 2021 – in der Michael-Horbach-Stiftung eine großformatige 4-Kanal-Arbeit und drei 1-Kanal-Projektionen zu sehen. Für „Update Cologne #04“ kooperiert Gudrun Barenbrock mit den Klangkünstlern Udo Moll und Klaus Osterwald. „WIR-WELT“ ist der Titel der Ausstellung. „Mich interessieren Konzentration, Ausdrucksstärke und Radikalität“, sagte Gudrun Barenbrock in der Ausstellungsvorbereitung.

Die dynamischen Bildgewebe sind – mit einer Ausnahme – in Schwarz-Weiß gehalten. Alle Bildmaterialien stammen aus dem umfangreichen Archiv der Künstlerin. Mit ihrer Kamera beobachtet sie natürliche oder urbane Landschaften, organische wie industrielle Strukturen, Makro- und Mikrozusammenhänge. Sie untersucht Anordnungen und Muster, Bewegungen und Wirksysteme. Im Studio, am Bildschirm begutachtet sie ihr Bildmaterial, reduziert das Materielle des Bildinhalts, steigert den Hell-Dunkel-Kontrast. Sie entfärbt und überfärbt, sie skaliert Licht- und Transparenzwerte ebenso wie Kontraste, sie betrachtet die entstehenden Formen und Verläufe, vervielfacht, was ihr als wesentlich erscheint. „Mich interessiert das Innere der Dinge, das Bild hinter dem Bild, das, was noch nicht in der alltäglichen Erscheinung oder Abbildung sichtbar ist …“, beschreibt Gudrun Barenbrock den experimentellen Prozess. Linien, Flächen und Formen werden mal aneinandergereiht, mal übereinander geschichtet. Sie baut Wiederholungen und Loops auf, sie entwickelt Sequenzen und choreografiert Dialoge. So entstehen die Bildströme, die die Künstlerin in großformatige Projektionen transformiert.

Integriert in die Entwicklung und Wahl ihrer Bildinhalte ist der Blick auf Material, Technik und Verfahren der Bilderzeugung. In „Update Cologne #04“ ist z.B. ein Projektionsobjektiv bei laufendem Projektionsbetrieb zu sehen. Das in die Projektion eingebettete Bild verändert das Erscheinungsbild des Lichtstrahls, aber das Bildmaterial ist nicht erkennbar. An anderer Stelle geht es um das Lichtverhalten eines Scannerschlitten, während dieser ein Bild kopiert. Bildgebende Technik, digitale Bildgestaltung und bildnerische Inhalte werden als gleichberechtige Bildinhalte verarbeitet.

Für jeden Ausstellungsort stellt die Künstlerin ein bildnerisches Reservoir zusammen. In ihrer Vorstellung teilt sie die vorgefundene Raumsituation in verschiedene Bildräume, für die sie korrespondierende Bildströme entwirft. Erst im Ausstellungsraum verbinden sich die einzelnen Sequenzen zu einer visuellen Gesamtkomposition. Die begehbaren Bildräume sind durch Bildauswahl und -schnitt, durch Komposition und Tempo eine Herausforderung für die Wahrnehmung. Sie provoziert den Nervenkitzel, der entsteht, wenn schnelle, aber stereotype Wahrnehmungsprozesse auf vergleichsweise langsame, aber offene Denkprozesse treffen.

In ihrer künstlerischen Praxis folgt Gudrun Barenbrock einer eigenen, künstlerischen Logik. Sammeln und sortieren, präzisieren und insistieren liegen in ihrer Arbeitsweise nah beieinander. Sie interessiert das Experiment – mit filmischer Materialität und technischer Apparatur, mit Zeit- und Ausstellungsräumen, mit Wahrnehmungs- und Denksystemen und mit ästhetischen Phänomenen, an denen sich Wissen und Sinn erschließen lassen. Sie ist eine außerordentliche, solitäre Stimme in der Licht- und Medienkunst der Gegenwart.

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